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Ayana im Riss des Lichts

Ein poetischer Roman über die Wege des Menschseins – über Heilung, Verbundenheit und den Mut, dem eigenen inneren Ruf zu folgen.

Veröffentlichung im November 2026​

 

AYANA im Riss des Lichts
Ein poetischer Roman

​

Ayana überlebt den Sturz in die Tiefe. Doch das Leben, in das sie zurückkehrt, kann sie nicht mehr ganz halten.

 

Während ihr Körper heilt, beginnt eine tiefere Reise – eine Suche nach Vertrauen, nach dem Wesen von Heilung und nach einer Form von Menschsein, die Bindung und Freiheit nicht gegeneinander ausspielt.

Ihr Weg führt sie an den großen See, zu Heilkundigen, Musikern und Menschen, deren Leben das ihre berühren. Was in ihr wächst, findet in ihrem bisherigen Leben immer weniger Raum. Wie viel von sich müsste sie opfern, um zu bewahren, was sie liebt?

 

Für das, was sich vor ihr öffnet, gibt es noch keinen Pfad. Ayana muss ins Unbekannte springen.

Nach und nach entfaltet sich ein ganzes Gewebe von Geschichten. Auch die Menschen, denen sie begegnet, ringen um ihren eigenen Stand, lösen sich aus fremden Ansprüchen und wagen Schritte ins Ungewisse.

In einer mythischen Welt voller Musik und tiefer Gefährtenschaft durchwirken alte Runen die Geschichten wie eine zweite Sprache – in Eis und Wasser, Trennung und Verbindung, Stillstand und neuem Werden.

 

Ein poetischer Roman über Verbundenheit, den Mut zum eigenen Weg und die Kraft, dem inneren Ruf zu folgen.

 

 


Look Inside:

Prolog

​​Ayana wusste nicht,
dass man sein Leben verlassen kann,
ohne es zu merken.

Es geschieht nicht mit einem Abschied.
Nicht mit einem Schnitt.
Nicht einmal mit einem Entschluss.

Manchmal ist es nur ein Atemzug, der in eine andere Richtung geht.

In dieser Nacht träumte Ayana vom Wald.

Er war dicht, aber nicht dunkel.
Das Licht fiel gefiltert zwischen die Stämme, als würde es geprüft, bevor es den Boden berührte. Der Boden selbst war weich, moosig, trug jeden Schritt ohne Widerstand. Ayana ging barfuß. Sie wusste nicht, warum sie hier war – nur, dass sie nicht fehl am Platz war.

Der Wald war still.
Wach.
Weit.

Kein Wind bewegte die Blätter, und doch war alles in Bewegung, als würde etwas Atem holen.

Ayana ging.
Jeder Schritt schien bereits erwartet.

Dann war er da.

Seitlich.
Wie ein Blick, der nicht drängt.

Der Luchs trat aus dem Schatten, lautlos, als hätte er immer schon dort gestanden – zwischen den Bäumen, kaum zu unterscheiden vom Muster der Rinde. Sein Fell war gesprenkelt wie das Licht selbst. Er bewegte sich nicht. Er sah sie an.

Ayana blieb stehen.

Der Blick des Luchses ruhte auf ihr, durchdringend, entscheidend. Etwas in ihr antwortete, bevor sie denken konnte. Ein leises inneres Öffnen, wie eine Tür, die nicht verriegelt war, sondern nur noch nicht berührt.

Der Luchs senkte den Kopf ein wenig.
Er machte einen Schritt auf sie zu.
Seine Augen hielten die ihren fest.

Du wirst kommen.
Und du wirst nicht wissen, warum.

Dann war er fort.

Ein leises Ziehen legte sich an ihr Brustbein, tief nach innen.

Nicht, weil sie stark war.
Nicht, weil sie wusste.

Sondern weil sie bleiben konnte, wo andere fortblickten.

Ayana erwachte mit einem leisen Einziehen des Atems.

Das erste Licht des Morgens lag schon im Raum.
Kein volles Tageslicht –
nur jener schmale Streifen, in dem Nacht und Tag sich berühren.

Alles war, wie es immer war.

Und doch war etwas nicht mehr dort,
wo es gestern gewesen war.

Sie setzte sich auf, legte die Hand auf ihre Brust.

Dort war ein Gefühl, das keinen Namen hatte.
Kein Ruf.
Kein Ziel.

Nur eine leise Verschiebung –
als wäre ihr inneres Gleichgewicht neu justiert worden für etwas, das noch nicht existierte.

Ayana stand auf, trat ans Fenster.

Das Dorf erwachte. Rauch stieg auf.
Im Raum klang der Atem ihres Mannes, der noch schlief.
Das Leben, das sie kannte.
Und liebte.

Sie wandte sich ab, band ihr Haar, griff nach ihrem Umhang.

Der Tag wartete.

Und irgendwo –
das wusste sie nun –
war etwas in Bewegung geraten,
das sich nicht mehr zurücknehmen ließ.

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